Philosophie

Philosophie

Die Broughton Academy ist mehr als ein LARP. Sie ist eine stetig wachsende und komplexe Spielwelt, aus der heraus wir ganz unterschiedliche Spiel- und Contentangebote entwickeln.

Das wichtigste dieser Angebote ist unsere laufende LARP-Kampagne. Eine Kampagne, die sich dabei nur schwer kategorisieren lässt. Denn wir sind kein klassisches Potter-LARP. Keine typische Abenteuer-Con. Weder Nordic noch reines Content-LARP. Wir sind eben wir.

Dennoch haben wir uns an einigen Ideen aus dem Content-LARP orientiert. Wir selbst verstehen unsere Spielwelt in gewisser Weise als Kunstwerk. Zumindest aber als Vision, in der jedes noch so kleine Detail seine Bedeutung hat, jedes Rädchen in ein anderes greift. Es geht uns dabei um Nuancen, um eine kohärente Stilistik und möglichst anspruchsvolles dramaturgisches Writing. Alles dient der einen übergeordneten Geschichte.

Dabei ähnelt unser Konzept durchaus einer horizontal erzählten TV-Serie. Denn anders als beim herkömmlichen Content-LARP ist die Broughton Academy außerdem ein Kampagnenspiel, also eine fortlaufende Geschichte über diverse Veranstaltungen hinweg. Damit unterscheiden wir uns maßgeblich und bewusst vom Gros der modernen LARPs. Denn wir glauben, dass sich komplexes Worldbuildung, komplexe Geschichten, vor allem aber komplexe Figuren samt ihrer Konflikte erst über mehrere Spiele hinweg wirklich entfalten können. Wie bei einer guten Serie eben.

All das aber bedeutet auch, dass wir unseren Spieler*innen und NSC nicht immer die gleichen kreativen Freiheiten lassen können, wie vielleicht eine Fantasy-Con, auf der sich diverse unterschiedliche Spiel- und Charakterkonzepte für ein Wochenende zusammenfinden. Gerade in der Charaktergenerierung manifestiert sich diese „Unterordnung“ zugunsten einer großen stilgebenden Geschichte. Dafür aber könnt ihr einer Sache gewiss sein: Eure Figuren werden allesamt eine zentrale Rolle in dieser Geschichte spielen.

Als Spieler*innen an der Broughton Academy müsst ihr nicht alle auf der gleichen Seite stehen. Ganz im Gegenteil, eure Antworten auf die großen Fragen des Lebens sollen sich sogar unbedingt unterscheiden. Denn genau darum geht es bei der Broughton Academy, es ist ein Kampf um Deutungshoheit. Und um ihre Grenzen. Prämisse unserer Geschichte ist es, die persönlichen Konflikte eines Charakters im Spannungsfeld von Gut und Böse zu ergründen. Es geht um große philosophische Fragen, um Psychologie, um Politik. Die Broughton Academy ist nur eingeschränkt eine Action- und Abenteuerveranstaltung. Unser Spiel lebt nicht von den lauten Tönen, sondern den leisen. Den Zwischentönen und den wahrhaftigen Momenten menschlicher Schwäche und Zweifel. Wir wollen keine Helden, keine Tausendsassas, keine Übercharaktere. Uns interessiert genau das Gegenteil. Charakterstudie statt Actionfilm eben. Nicht selten werden eure Charaktere zwischen Skylla und Karyptis wählen müssen. Es gibt kein einfaches Richtig und Falsch. Kein einfaches Gut und Böse. Denn genau das soll unsere Welt auf keinen Fall sein: Einfach. An der Broughton Academy gibt nichts zu gewinnen, nur zu ergründen. Und genau darauf zielt auch die Immersion, die wir erzeugen wollen: Play to lose, to struggle, to flow and sometimes even grow.

Dabei kann unser Spiel immer wieder auch sehr düster werden. Denn wir befinden uns in einer rauen, politischen Welt. Wir wollen bewusst an die Ängste, die Abgründe und Untiefen im Menschen. Auch ein Grund, weshalb die Teilnahme an der Broughton Academy unter 18 Jahren nicht gestattet ist.

Unsere Art zu spielen wird immer wieder Bleeding provozieren. Wichtig ist hier, dass wir Bleeding ganz bewusst nicht als etwas Negatives verstehen. Wir wollen mit unserem Spiel bewusst Bleeding erzeugen, sprich das Erleben einer Verschmelzung zwischen Figur und uns selbst. Dadurch aber wird die Teilnahme an vorbereitenden bzw. nachbereitenden Workshops am Con-Wochenende quasi obligatorisch.

Weiterhin ist unser Spiel ganz wesentlich vom Prinzip des unterstützenden Spiels abhängig. Soll heißen, wir verlangen von euch, dass ihr das Spiel der anderen anerkennt. Akzeptiert sie in ihren Rollen, unterstützt sie darin und versucht euch bitte nicht durch das Zerlegen von Spielangeboten zu profilieren. Es geht nie darum, anderen zu demonstrieren, wie toll ihr seid. Sondern darum, anderen zu helfen, in ihrer Rolle zu glänzen. Wenn jede*r von uns diese Hilfestellung für jede*n mitdenkt, hat jede*r tolles Spiel. Macht also Spielangebote und spielt euch nicht auf!

Das Spielprinzip der Broughton Academy basiert im Wesentlichen auf Schlüsselfiguren und sogenanten Plotinseln. Die Schlüsselfiguren sind es, die euch immer tiefer in die dichte und komplexe Welt hinein führen. Sie sind der Zugang zur großen Geschichte. Eure Bereitschaft zur Einlassung auf diese Figuren wird damit jedoch absolut essentiell. Unsere Schlüsselfiguren sind außerdem geclustert in ganz unterschiedliche Plotinseln, sprich Player mit ganz unterschiedlichen Interessen. Diese Player und ihre Interessen definieren den Plot – d.h. der Plot baut sich anhand der Interessen dieser Player auf. Alles, was an Plot passiert, passiert also in einem Verhältnis zu diesen Playern. Die Player sind wie ein Spinnennetz, das über die Länge der Kampagne hinweg langsam aufgedeckt wird. Und sie alle stehen für etwas. Sie werfen Fragen auf, bieten Antworten und Ideen, manchmal sind sie enge Vertraute, Lover oder einfach nur persönliche Gegenspieler. Sie alle werden euch erzählen, dass sie die Guten sind. Und sie alle haben Recht dabei. Und Unrecht zugleich. Eure Haltung zu unseren Figuren bestimmt letztendlich über euer Spiel. Über eure Position im Metaplot. Natürlich darf sich eure Haltung dabei verändern – vielleicht sogar immer wieder – denn das ist ja der große Reiz am Kampagnenspiel, niemand kann wirklich voraussagen, an wessen Seite er oder sie am Ende steht.

Die Broughton Academy versteht sich außerdem nicht als klassisches Potterlarp. Unsere Welt existiert losgelöst von Harry Potter. Sie ist erwachsener, düsterer und in vielen Bereichen sehr viel ausdifferenzierter. Wir bedienen uns im Live-Spiel zwar einiger Anlehnungen und Begriffe aus der Wizarding World, das heißt aber nicht, dass grundsätzlich alles aus der Harry Potter-Welt auch bei uns seine Gültigkeit hat. Pottermore ist also keine adäquate Quelle für die Broughton Academy. Figuren aus den Büchern Rowlings kommen nicht in unserer Geschichte vor.

Das Akademie- und Ausbildungsziel ist Zentrum unserer Veranstaltung. Anspruchsvolle Unterrichte, ambientiger Schulalltag, all die kleinen Rituale und Traditionen einer britischen Boarding School sind für uns essentieller Teil des Spielerlebnisses Broughton Academy. Unsere Spieler*innen sollen die Chance haben, diesen Teil des Spiels in aller Gänze und Ruhe erleben zu können. Dass sich das Akademiespiel natürlich auch ganz hervorragend als Projektionsfläche für die eigentliche Geschichte eignet, versteht sich von selbst.

Last but not least und wichtig noch einmal zu betonen, ist, wie wichtig uns gelebte Diversität an der BAC ist. IT wie OT. Wir begrüßen und wünschen uns ausdrücklich Vielfalt. Wer diese Offenheit nicht teilen kann, ist jedoch ausdrücklich nicht willkommen an der Broughton Academy.